Felgen ausbessern mit Lackstift – wann es geht und wann nicht

Von Jonas Feldkamp Veröffentlicht am Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort

Mit einem Lackstift lassen sich Schäden ausbessern, die nur die Lack- oder Klarlackschicht betreffen – also Kratzer, Abplatzer und feine Bordsteinspuren. Voraussetzung ist, dass das Aluminium darunter nicht eingekerbt, gerissen oder verformt ist. Sobald Metall abgetragen oder aufgefüllt werden müsste, gehört die Felge in einen Fachbetrieb – dort geht es nicht mehr um Optik, sondern um die Festigkeit des Rades.

Wann darf ich eine Felge selbst ausbessern?

Die Grenze verläuft nicht beim Aussehen des Schadens, sondern bei seiner Tiefe. Solange nur die Lack- oder Klarlackschicht betroffen ist und das Aluminium darunter unversehrt bleibt, handelt es sich um einen optischen Schaden. Den darf man selbst beheben.

Als Orientierung gilt: Kratzer im Grundmetall bis etwa 1 Millimeter Tiefe dürfen angeschliffen, verrundet, gefüllt, grundiert und lackiert werden. Alles, was darüber hinausgeht, fällt in eine andere Kategorie.

Schaden Selbst machbar? Warum
Feine Kratzer im Klarlack ja rein optisch, das Metall ist unberührt
Abgeplatzter Lack, Metall sichtbar ja optisch, und die Ausbesserung schützt die freiliegende Stelle vor Feuchtigkeit
Steinschlag auf der Felgenfläche ja punktueller Schaden, klassischer Lackstift-Fall
Leichte Bordsteinspur ohne Materialabtrag ja solange das Alu nicht eingekerbt ist
Tiefe Kerbe am Felgenhorn nein hier wurde Material abgetragen – das gehört bearbeitet, nicht überlackiert
Riss in der Felge nein sicherheitsrelevant, oft Austausch
Verformung, Höhen- oder Seitenschlag nein sicherheitsrelevant, Fachbetrieb

Wichtig

Ein Lackstift ist kein Reparaturmittel, sondern ein Farbmittel. Er füllt eine Lücke im Lack und schützt die Stelle vor Feuchtigkeit. Er stellt keine Festigkeit wieder her. Wer über einen Riss oder eine tiefe Kerbe lackiert, macht den Schaden unsichtbar – nicht ungefährlich. Bei Rissen, Verformungen und Kerben mit Materialabtrag führt kein Weg am Fachbetrieb vorbei, und in manchen Fällen an einer neuen Felge.

Woran erkenne ich, dass es ein Fall für den Fachbetrieb ist?

Drei einfache Prüfungen, die jeder machen kann:

  1. Mit dem Fingernagel über die Stelle fahren. Bleibt der Nagel hängen, ist die Kerbe zu tief für eine reine Lackausbesserung.
  2. Auf Grate und abstehendes Material achten. Aufgeworfenes Aluminium heißt: Es wurde Material verschoben, nicht nur Lack abgetragen.
  3. Das Rad langsam drehen und auf Unwucht oder Schlag achten. Vibrationen im Lenkrad oder ein sichtbarer Schlag sind Warnzeichen – dann zuerst prüfen lassen, bevor überhaupt über Optik gesprochen wird.

Welcher Farbton passt zu meinen Felgen?

Felgen werden ab Werk in überschaubar vielen Grundtönen lackiert. Das macht die Farbwahl einfacher als bei der Karosserie – aber nicht beliebig.

Felgentyp Passender Farbton Hinweis
Silberne Alufelgen RAL 9006 Weißaluminium der Ton, der im Handel als „Felgensilber“ geführt wird
Schwarz glänzende Felgen RAL 9005 Tiefschwarz, glänzend für Hochglanz-Felgen und schwarz lackierte Speichen
Schwarz matte Felgen RAL 9005 Tiefschwarz, matt nach dem Trocknen nicht polieren – sonst entsteht ein Glanzfleck
Anthrazitfarbene Felgen RAL 7016 Anthrazitgrau, matt der verbreitetste Anthrazit-Ton
Polierte oder diamantgedrehte Felgen kein Lackstift hier ist die Oberfläche blankes, klarlackiertes Aluminium – das lässt sich mit Farbe nicht nachbilden
Zweifarbige Felgen je nach Bereich Stern und Felgenbett sind oft unterschiedlich lackiert

Zur Ehrlichkeit gehört

RAL-Töne sind genormte Universalfarben, keine fahrzeugspezifischen Werksfarbtöne. Bei silbernen und schwarzen Felgen trifft der Normton die Werkslackierung in aller Regel sehr gut, weil dort ohnehin Standardfarben verwendet werden. Bei Sonderlackierungen, Zweifarbtönen und Effektlacken kann ein Unterschied sichtbar bleiben. Ein Test an einer verdeckten Stelle – etwa an der Felgeninnenseite – schafft in zwei Minuten Klarheit.

Felge ausbessern – Schritt für Schritt

  1. Rad abkühlen lassen. Nach der Fahrt ist die Felge bremsbedingt warm. Auf heißem Metall trocknet Lack an der Oberfläche, bevor das Lösemittel heraus ist – das Ergebnis sind Bläschen.
  2. Gründlich reinigen. Bremsstaub besteht aus feinen Metallpartikeln und setzt sich in jeder Vertiefung fest. Ohne vollständige Reinigung lackiert man über Schmutz, und die Stelle platzt später wieder ab.
  3. Entfetten. Felgen tragen Reifenpflegemittel, Straßenöl und Reste von Felgenreiniger. Isopropanol auf einem Tuch reicht.
  4. Losen Lack entfernen. Abplatzende Ränder abtragen, bis nur noch fest haftender Lack stehen bleibt. Bei blankem Aluminium die Stelle leicht anschleifen und den Schleifstaub entfernen.
  5. Stift ein bis zwei Minuten kräftig schütteln.
  6. Dünn auftragen. In die Schadstelle tupfen, nicht darüber streichen. Bei feinen Kratzern kommt man mit einem Zahnstocher genauer in die Rille als mit der Stiftspitze.
  7. Rund 20 Minuten warten, dann bei Bedarf eine zweite dünne Schicht.
  8. Durchhärten lassen, bevor gefahren, gewaschen oder mit Felgenreiniger gearbeitet wird.

Arbeitsbedingungen

Arbeite bei mindestens 15 °C und nicht in praller Sonne. Wenn du am abmontierten Rad arbeitest, kommst du deutlich besser an Felgenhorn und Innenseite heran – bei Schäden am äußeren Rand lohnt sich der Aufwand.

Vor dem ersten Felgenreiniger

Schritt 8 – durchhärten lassen – ist bei Felgen besonders wichtig, weil Felgenreiniger einen noch weichen Lackfilm anlöst. Als allgemeine Faustregel für lösemittelbasierte 1-Komponenten-Lacke gilt: Nach 24 bis 48 Stunden ist der Film so weit durchgehärtet, dass er normal belastbar ist; seine maximale Härte und Haftung erreicht er erst nach mehreren Tagen. Die verbindliche Angabe steht im technischen Merkblatt des Lacks. Bis dahin nur von Hand und mit klarem Wasser reinigen.

Warum Felgen anders sind als Karosserie

Eine ausgebesserte Stelle am Kotflügel muss Regen, Sonne und Waschstraße überstehen. Eine Felge muss mehr aushalten:

Belastung Was das bedeutet
Bremsstaub heiße Metallpartikel, die sich einbrennen können
Felgenreiniger chemisch deutlich aggressiver als Autoshampoo
Streusalz greift freiliegendes Aluminium an
Steinschlag Felgen liegen am tiefsten und bekommen am meisten ab
Temperaturwechsel Bremsenwärme gegen kaltes Spritzwasser

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens: Die Vorbereitung ist bei Felgen wichtiger als überall sonst. Wer nicht sauber entfettet, dessen Ausbesserung hält keine Saison. Zweitens: Vollständiges Durchhärten ist Pflicht, bevor wieder Felgenreiniger auf die Stelle kommt – ein noch weicher Lackfilm wird davon angelöst.

Lackstift oder Sprühdose für die Felge?

Situation Womit Warum
Einzelne Kratzer, Steinschläge, kleine Abplatzer Lackstift punktgenau, kein Abkleben, kein Overspray, in 20 Minuten erledigt
Mehrere Stellen an einer Speiche Lackstift wird bei sehr vielen Einzelstellen aufwendig, funktioniert aber
Ganze Felge oder ganzer Felgenstern Sprühdose gleichmäßiger Verlauf über die Fläche; erfordert Abkleben und Reifenabdeckung
Felge komplett umlackieren Fachbetrieb saubere Vorbereitung und Pulverbeschichtung halten deutlich länger

Mehr zu dieser Abwägung im Artikel Lackstift oder Lackspray – was ist besser?

Was ein Lackstift an der Felge nicht kann

  • Kerben auffüllen. Wo Material fehlt, bleibt nach dem Lackieren eine Vertiefung – jetzt in der richtigen Farbe, aber immer noch eine Vertiefung.
  • Eine polierte Felge nachbilden. Hochglanzpoliertes oder diamantgedrehtes Aluminium hat eine metallische Tiefe, die kein Farblack erreicht.
  • Die Festigkeit wiederherstellen. Bei Rissen und Verformungen ist Lack irrelevant.
  • Eine unsaubere Vorbereitung ausgleichen. Auf Bremsstaub und Fett hält keine Ausbesserung, unabhängig vom Produkt.

Alle Felgentöne im Überblick

Vier der fünf GLANTEX-Farbtöne decken die verbreiteten Felgenlackierungen ab: Silber Metallic (RAL 9006), Schwarz Glänzend (RAL 9005), Schwarz Matt (RAL 9005 matt) und Anthrazit Matt (RAL 7016). Je 15 ml, 1-Schicht-Lack, ohne Grundierung und ohne Klarlack. Alle Lackstifte ansehen

Wie bekomme ich Kratzer aus Felgen?

Feine Kratzer, die nur im Klarlack sitzen, lassen sich oft auspolieren. Ist der Lack durchgescheuert und Metall sichtbar, hilft Polieren nicht mehr – dann wird die Stelle gereinigt, entfettet und mit einem Lackstift im passenden Farbton aufgefüllt. Tiefere Kerben mit Materialabtrag gehören in einen Fachbetrieb.

Wie kann ich den Lack meiner Alufelgen ausbessern?

Rad abkühlen lassen, gründlich von Bremsstaub reinigen – in den Speichen hilft das Detailing Pinsel Set –, mit einem Allzwecktuch 300 GSM entfetten, losen Lack entfernen und den Lackstift dünn in die Schadstelle tupfen. Nach rund 20 Minuten kann eine zweite Schicht folgen. Vor dem nächsten Einsatz von Felgenreiniger muss der Lack vollständig durchgehärtet sein.

Welcher Lack eignet sich zum Felgen lackieren?

Für punktuelle Ausbesserungen ein Lackstift im passenden Normton – RAL 9006 für silberne Felgen, RAL 9005 für schwarze, RAL 7016 für anthrazitfarbene. Für ganze Felgen oder Felgensterne eine Sprühdose, für eine komplette Neulackierung der Fachbetrieb mit Pulverbeschichtung.

Darf ich einen Bordsteinschaden selbst reparieren?

Solange nur die Lackschicht betroffen ist und das Aluminium nicht eingekerbt, gerissen oder verformt ist: ja. Kratzer im Grundmetall bis etwa einen Millimeter Tiefe gelten als zulässig zum Anschleifen, Verrunden, Füllen und Lackieren. Sobald Material abgetragen oder aufgefüllt werden müsste, gehört die Felge in einen Fachbetrieb.

Muss ich das Rad zum Ausbessern abmontieren?

Bei Schäden auf der sichtbaren Felgenfläche nicht. Am Felgenhorn und an der Innenseite kommt man am abmontierten Rad deutlich besser und sauberer heran. Arbeite in jedem Fall am abgekühlten Rad.

Hält die Ausbesserung auf einer Felge?

Wenn die Vorbereitung stimmt, ja. Felgen sind allerdings die am stärksten belastete Lackfläche am Fahrzeug – Bremsstaub, Felgenreiniger, Streusalz und Steinschlag greifen sie an. Der häufigste Grund für eine nicht haltende Ausbesserung ist unzureichendes Reinigen und Entfetten vor dem Auftragen.