Lackstift richtig anwenden – Anleitung und die häufigsten Fehler

Von Jonas Feldkamp Veröffentlicht am Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort

Reinigen, entfetten, trocknen lassen. Stift ein bis zwei Minuten kräftig schütteln. Den Lack in die Schadstelle tupfen, nicht darüberstreichen. Zwei bis drei hauchdünne Schichten im Abstand von jeweils rund 20 Minuten sind besser als eine dicke. Arbeite bei mindestens 15 °C, im Schatten und am abgekühlten Fahrzeug.

Was du brauchst

Was Wofür
Lackstift im passenden Farbton siehe Farbtonwahl weiter unten
Isopropanol oder Silikonentferner entfetten – der Schritt, an dem die meisten Ausbesserungen scheitern
Fusselfreies Tuch reinigen und entfetten
Zahnstocher für feine Kratzer genauer als die Stiftspitze
Feines Schleifpapier nur bei losem Altlack oder Rost

Schritt für Schritt

  1. Stelle reinigen. Schmutz, Wachs und Straßenfilm müssen herunter. Warmes Wasser mit etwas Autoshampoo genügt.
  2. Entfetten. Isopropanol auf ein Tuch geben und die Stelle abreiben. Lack haftet nicht auf Fett – und Fett sieht man nicht.
  3. Rost und losen Lack entfernen. Rost muss vollständig weg, sonst arbeitet er unter der neuen Schicht weiter. Abplatzende Lackränder abtragen, bis nur fest haftender Lack bleibt.
  4. Vollständig trocknen lassen. Auch in der Vertiefung eines Steinschlags darf keine Feuchtigkeit stehen.
  5. Stift ein bis zwei Minuten kräftig schütteln. Die Farbpigmente setzen sich im Stehen ab. Ohne gründliches Schütteln stimmt weder Farbton noch Deckkraft.
  6. Überschuss abstreifen. Am Flaschenhals abstreifen, damit kein Tropfen auf dem Lack landet.
  7. Tupfen, nicht streichen. Den Lack punktuell in die Schadstelle setzen. Streichen verteilt ihn über den intakten Lack daneben und erzeugt einen sichtbaren Rand.
  8. Rund 20 Minuten warten.
  9. Zweite Schicht, bis die Stelle bündig mit dem umgebenden Lack ist.
  10. Durchhärten lassen, bevor gewaschen oder poliert wird. Als allgemeine Faustregel für lösemittelbasierte 1-Komponenten-Lacke gilt: Nach 24 bis 48 Stunden ist der Film so weit durchgehärtet, dass er normal belastbar ist; seine maximale Härte und Haftung erreicht er erst nach mehreren Tagen. Die verbindliche Angabe steht im technischen Merkblatt des Lacks.

Wie viele Schichten braucht ein Lackstift?

In der Regel zwei, bei tieferen Steinschlägen drei oder vier. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern das Ziel: Die ausgebesserte Stelle soll am Ende bündig mit dem umgebenden Lack liegen.

Warum nicht eine dicke Schicht? Weil dicker Lack an der Oberfläche schneller trocknet als darunter. Das Lösemittel im Inneren sucht sich später einen Weg durch den geschlossenen Film – das Ergebnis sind Bläschen oder eine Stelle, die dauerhaft weich bleibt. Außerdem verläuft dünner Lack gleichmäßiger und bildet weniger einen Hügel.

Brauche ich Grundierung?

Bei kleinen Steinschlägen und Kratzern in aller Regel nicht. Grundierung hat zwei Aufgaben: Sie verbessert die Haftung auf blankem Metall und gleicht Unebenheiten aus. Bei einer punktuellen Ausbesserung von wenigen Millimetern fällt beides kaum ins Gewicht.

Sinnvoll wird Grundierung, wenn großflächig blankes Metall freiliegt oder wenn Rost entfernt wurde und eine nackte Stelle zurückbleibt. Dann schützt sie das Metall zusätzlich.

Zum Klarlack: Das hängt vom System ab. Klassische Zweischicht-Systeme aus Basislack und Klarlack brauchen ihn zwingend – der Basislack allein ist weder glänzend noch beständig. Ein 1-Schicht-System wie der GLANTEX-Lackstift bringt Farbe, Glanz und Schutz in einem Auftrag; dort ist kein separater Klarlack vorgesehen. Bei matten Lacken wäre er sogar schädlich, weil er die Fläche anglänzen lässt.

Der Zahnstocher-Trick

Bei sehr feinen Kratzern ist die Stiftspitze zu breit. Ein Zahnstocher nimmt einen winzigen Tropfen auf und setzt ihn genau in die Rille, ohne den Lack daneben zu benetzen. Bei Haarrissen im Klarlack ist das oft der einzige Weg zu einem unauffälligen Ergebnis.

Kann man mit einem Lackstift Kratzer entfernen?

Nein – und das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Lackstift entfernt keinen Kratzer, er füllt ihn. Der Kratzer bleibt als Vertiefung vorhanden, ist aber nicht mehr als heller Strich sichtbar, weil die Farbe wieder stimmt und kein Metall mehr durchscheint.

Art des Kratzers Womit Ergebnis
Nur im Klarlack, Fingernagel bleibt nicht hängen Politur wird tatsächlich entfernt
Bis in den Farblack, Fingernagel bleibt hängen Lackstift wird aufgefüllt, optisch unauffällig
Bis auf Grundierung oder Metall Lackstift verhindert zusätzlich Korrosion
Lange, tiefe Kratzer über mehrere Bauteile zwingend Fachbetrieb Ausbesserung bliebe sichtbar

Die einfachste Prüfung ist der Fingernagel: Bleibt er beim Überstreichen hängen, ist der Kratzer zu tief für Politur.

Die fünf häufigsten Fehler

Fehler Folge und Abhilfe
1. Nicht entfettet Die häufigste Ursache überhaupt. Lack haftet nicht auf Fett – die Stelle platzt nach wenigen Wochen wieder ab. Immer mit Isopropanol nacharbeiten, auch wenn die Stelle sauber aussieht.
2. Zu dick aufgetragen Es entsteht ein Hügel, der im Streiflicht stärker auffällt als der ursprüngliche Schaden. Lieber drei dünne Aufträge.
3. Gestrichen statt getupft Der Lack landet auf intaktem Lack daneben und hinterlässt einen sichtbaren Rand.
4. Nicht geschüttelt Die Pigmente liegen unten, oben steht überwiegend Bindemittel. Der Auftrag deckt schlecht und trifft den Ton nicht.
5. In der Sonne gearbeitet Auf heißem Blech schließt sich die Oberfläche, bevor das Lösemittel heraus ist. Bläschen oder eine dauerhaft weiche Stelle sind die Folge.

Warum hält meine Ausbesserung nicht?

In den allermeisten Fällen liegt es nicht am Lack, sondern an der Vorbereitung. Die vier Ursachen in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit:

  1. Fettfilm auf der Stelle. Unsichtbar, aber wirksam.
  2. Rost unter dem neuen Lack. Er arbeitet weiter und drückt die Schicht ab.
  3. Loser Altlack am Rand. Die neue Schicht haftet auf etwas, das selbst nicht hält.
  4. Zu früh belastet. Waschanlage oder Felgenreiniger auf noch weichem Lack.

Ist der Lack wasserbasiert oder lösemittelhaltig?

Der GLANTEX-Lackstift ist lösemittelbasiert. Die Deklaration weist n-Butylacetat, 2-Methoxy-1-methylethylacetat und Kohlenwasserstoffe (C9, Aromaten) aus.

Was das praktisch heißt

Gut belüftet arbeiten, von Zündquellen fernhalten und die Sicherheitshinweise zum Lackstift beachten. Werkzeug und Spritzer lassen sich mit Lösemittel reinigen, nicht mit Wasser. Und: Der Lack trocknet durch Verdunsten des Lösemittels, weshalb Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Trockenzeit so deutlich beeinflussen.

Wie wendet man einen Lackstift richtig an?

Stelle mit einem Allzwecktuch 300 GSM reinigen, entfetten und vollständig trocknen lassen. Stift ein bis zwei Minuten kräftig schütteln, Überschuss abstreifen und den Lack in die Schadstelle tupfen statt darüberzustreichen. Nach rund 20 Minuten folgt die nächste dünne Schicht, bis die Stelle bündig ist.

Wie viele Schichten braucht ein Lackstift?

Meist zwei, bei tieferen Steinschlägen drei bis vier. Maßgeblich ist, dass die Stelle am Ende bündig mit dem umgebenden Lack liegt. Mehrere dünne Schichten ergeben ein besseres Ergebnis als eine dicke, weil dicker Lack an der Oberfläche schneller trocknet als darunter.

Brauche ich vor dem Lackstift eine Grundierung?

Bei kleinen Steinschlägen und Kratzern in der Regel nicht. Sinnvoll wird Grundierung, wenn großflächig blankes Metall freiliegt oder nach dem Entfernen von Rost eine nackte Stelle zurückbleibt.

Kann man mit einem Lackstift Kratzer entfernen?

Entfernen nicht – auffüllen. Der Kratzer bleibt als Vertiefung, ist aber nicht mehr sichtbar, weil die Farbe wieder stimmt. Kratzer, die nur im Klarlack sitzen und an denen der Fingernagel nicht hängen bleibt, lassen sich dagegen auspolieren.

Warum hält mein Lackstift nicht?

Meist wegen eines unsichtbaren Fettfilms auf der Stelle. Weitere häufige Ursachen sind Rost unter der neuen Schicht, loser Altlack am Rand und zu frühe Belastung durch Waschanlage oder Felgenreiniger. Entfetten mit Isopropanol ist der wichtigste Einzelschritt.

Bei welcher Temperatur sollte ich arbeiten?

Bei mindestens 15 °C, ideal um 20 °C, bei trockener Luft und im Schatten. In praller Sonne und auf heißem Blech trocknet die Oberfläche, bevor das Lösemittel heraus ist – dann bilden sich Bläschen.

Welcher Farbton zu deinem Fahrzeug passt, zeigt die Übersicht aller Lackstifte: Schwarz Matt, Anthrazit Matt, Weiß Glänzend und Silber Metallic ergänzen den oben gezeigten glänzenden Schwarzton.